Durch Geben empfangen wir
Sant Rajinder Singh Ji Maharaj
Etwas vom Größten, was ein Mensch tun kann, ist, von sich selbst zu geben, um anderen zu helfen. Viele Menschen fürchten sich davor zu geben, weil sie sich sorgen, danach weniger zu haben. Sie erkennen nicht, dass im Universum das Gesetz der Fülle gilt. Wenn wir selbstlos geben, ohne dass wir darum gebeten wurden, werden wir letztendlich immer mehr haben.
Die Lektion der Kamele
Es gibt eine wunderbare Anekdote, die dies veranschaulicht. Es war einmal ein älterer Mann in Arabien, der drei Söhne hatte. Als sein Ende nahte, rief er seine Söhne an sein Sterbebett und sagte zu ihnen: „Wenn ich sterbe, sollt ihr das, was ich besitze, unter euch aufteilen.“
Dann wandte er sich an seinen ältesten Sohn und meinte: „Ich möchte, dass du die Hälfte meines Besitzes nimmst.“
Als Nächstes wandte er sich an den mittleren Sohn und sprach: „Ich möchte, dass du ein Drittel meiner Besitztümer erhältst.“
Schließlich sagte er zu seinem jüngsten Sohn: „Du sollst ein Neuntel von dem haben, was ich auf Erden besitze.“
Kurz danach starb der Mann. Als man seinen Besitz in Augenschein nahm, entdeckte man, dass er nur siebzehn Kamele besaß. Die Söhne begannen zu diskutieren, wie sie die siebzehn Tiere aufteilen könnten.
Sie sahen bald, dass es nicht möglich war, die Kamele so aufzuteilen, wie es ihr Vater gewollt hatte, und begannen, über ihre Anteile zu streiten. Da sie nicht mehr wussten, was sie tun sollten, suchten sie einen alten Freund ihres Vaters auf, um dessen Rat einzuholen.
Dieser Freund stellte fest, dass man die siebzehn Kamele nicht in die Hälfte, ein Drittel und ein Neuntel teilen konnte. Er dachte eine Weile nach und meinte dann: „Ich bin arm. Ich besitze nur ein Kamel. Wenn ich euch aber dieses Kamel dazu gebe, könnt ihr die Kamele entsprechend den Wünschen eures Vaters aufteilen, und es herrscht wieder Eintracht unter euch.“
Als dieses Kamel zu den siebzehn dazu kam, waren es achtzehn Kamele, die man leicht nach den Anweisungen des Vaters aufteilen konnte. Dem ältesten Sohn gab er die Hälfte, das ergab also neun Kamele. Dem mittleren Sohn gab er ein Drittel, dieser erhielt folglich sechs Kamele. Dem jüngsten Sohn gab er ein Neuntel der achtzehn, also zwei Kamele. Die Söhne zogen glücklich davon.
Als sich der ältere Freund umdrehte, stellte er zu seinem Erstaunen fest, dass sein eigenes Kamel übrig geblieben war. Er dankte Gott mit den Worten: „Oh Gott, Deine Weisheit übersteigt jegliches Verständnis!“
Den Lohn des Gebens erfahren
Diese Geschichte zeigt, dass wir niemals verlieren, wenn wir geben. Der ältere Mann war so selbstlos, dass er seinen einzigen Besitz freiwillig den Söhnen gab, um die Würde seines Freundes und Eintracht unter dessen Söhnen zu wahren. Doch es erwies sich, dass das Kamel nur dazu diente, die Herde aufzuteilen, und nicht wirklich gebraucht wurde. Daher behielt der Freund sein Kamel.
Wir hatten vielleicht schon einmal die Gelegenheit, jemandem in Not etwas zu geben und ein Opfer dafür zu erbringen, nur um festzustellen, dass es uns entweder zurückgegeben wurde oder dass sich die Umstände veränderten und wir es nicht wirklich hergeben mussten. Wir wurden jedoch mit einem Gefühl der Zufriedenheit dafür belohnt, für andere etwas geopfert zu haben. Wir spürten, wie Gott uns mit Segnungen überschüttete. Wir dankten Gott dafür, dass wir uns dafür entschieden zu geben, statt selbstsüchtig zu sein.
Es gibt keine größere Freude, die unser Herz erfüllen kann, als zu geben. Alle, die schon selbstlos geholfen haben, haben die Erfahrung gemacht, dass man niemals verliert, wenn man gibt. Wir stellen dann fest, dass immer mehr Segnungen ungefragt auf uns herabströmen und dass unser Herz mit göttlicher Liebe erfüllt ist.
Im folgenden Video-Clip ermutigt uns Sant Rajinder Singh Ji, ein Leben zu führen, in dem wir mit anderen teilen:
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Die Lektion der Kamele




