Die Anatomie von Ärger und Vergeltung
Sant Rajinder Singh Ji Maharaj
Wie entsteht Ärger? Beeinträchtigt er uns nur auf emotionaler Ebene oder schaden wir uns auch körperlich, wenn wir dem Ärger nachgeben? Wie können wir uns aus seinem Griff befreien und was bringt uns das?
Mit einem universellen Problem zurechtkommen
Wir können mit Sicherheit davon ausgehen, dass im Leben von uns allen Dinge geschehen, die uns nicht gefallen oder die uns verletzen. Jemand tut uns irgendwie Unrecht. Vielleicht hat jemand etwas gesagt, um unsere Gefühle zu verletzen oder uns körperlich wehzutun. Vielleicht hat uns jemand etwas genommen. Vielleicht hat uns jemand getäuscht, betrogen oder belogen. Jemand, dem wir vertraut haben, hat dieses Vertrauen vielleicht missbraucht. Uns wurde vielleicht unsere Macht, unsere Stellung oder unser Wohlstand genommen. Ein Problem zwischen zwei Menschen hat immer einen tieferen Grund.
Unsere erste Reaktion
Was geschieht als Nächstes? Wir sind aufgebracht, verletzt, verärgert und wütend. Wir denken darüber nach, was passiert ist. Es gefällt uns nicht und wir können es anscheinend nicht vergessen und denken immer wieder darüber nach. Vielleicht sprechen wir sogar wiederholt darüber, entweder mit der Person, die uns verletzt hat, oder mit anderen. Manche Menschen, die weniger Selbstkontrolle haben, wenden sich vielleicht körperlich gegen die Person oder lassen ihren Ärger an jemand anderem aus.
Unser Gemüt lässt das Problem eskalieren
Wenn der Vorfall eskaliert, sind wir in Gedanken und mit unseren Worten damit beschäftigt, die Situation zu bereinigen. Manche werden versuchen, das Problem friedlich zu lösen, indem sie es mit der Person, die sie ihrer Meinung nach verletzt hat, besprechen. Manchmal versuchen wir es, aber die andere Person ist nicht bereit, zuzuhören oder etwas zu ändern. Dann glauben wir, etwas Drastischeres unternehmen zu müssen.
Dies führt zu Vergeltung und Rache. Wir denken darüber nach, wie wir uns an der Person, die uns verletzt hat, rächen oder wie wir es ihr heimzahlen können. Wir wollen Gerechtigkeit. Unser Gemüt weigert sich zu vergessen, was passiert ist, bis wir uns rächen.
Daher schaffen wir ausgehend von diesem einen Vorfall weitere Situationen als Reaktion. Die andere Person wird sich dann vielleicht wiederum an uns rächen. Ein Kreislauf von Aktion und Reaktion setzt sich immer weiter fort, und ein kleines Ereignis wird zu einem ernsthaften Problem.
Im folgenden Video, das während eines Feiertagsprogramms im Winter in Chicago aufgenommen wurde, beschreibt Sant Rajinder Singh Ji Maharaj die Kraft der Vergebung, und wie sie uns helfen kann, uns über die Gefühle des Ärgers zu erheben (Ausschnitt):
Den Preis zahlen
Was ist bei diesem Vorgang passiert? Wir haben unseren inneren Frieden verloren. Das ursprüngliche Ereignis hat vielleicht wenige Augenblicke, wenige Stunden oder einen Tag gedauert, aber wir haben nun hunderte von Stunden und unzählige Tage damit verbracht, durchzuspielen, was geschehen ist, und darüber nachzudenken, wie wir uns rächen können.
Dabei haben wir kostbare Augenblicke unseres Lebens vergeudet. Anstatt unsere Aufmerksamkeit darauf gerichtet zu halten, was uns helfen kann, haben wir die Zeit damit verschwendet, immer wieder einen schlechten Film abzuspielen. Wir verlieren deshalb mehr als die Person, gegen die sich unser Ärger richtet.
Wenn uns jemand verletzt hat, können wir uns entscheiden, ob wir vergeben und vergessen oder uns rächen. Wir haben die Wahl.
Rache schadet dem Körper
Wir fügen uns selbst körperlichen Schaden zu, wenn wir uns von Ärger, Hass und Rache mitreißen lassen. Diese Gefühle sind für den Körper schädlich.
Im physischen Körper gibt es bestimmte Reaktionen, die dazu dienen, den Körper zu schützen, um die Art zu erhalten. Wenn ein Lebewesen eine Gefahr wahrnimmt, kommt es zu bestimmten hormonellen und chemischen Reaktionen im Körper, die dabei helfen, der Gefahr zu begegnen. Diese Hormone lassen das Lebewesen kämpfen oder flüchten. Sie sind nützlich, weil sie dem Körper Kraft verleihen und schnelle physische Reaktionen ermöglichen, wie wegzulaufen oder sich zu verteidigen. Wenn wir aber die täglichen Probleme als lebensbedrohlich interpretieren, obwohl sie unser Überleben gar nicht gefährden, dann reagieren wir grundlos mit den Hormonen für Kampf oder Flucht.

Lies mehr darüber, wie Meditation Ärger in Liebe verwandelt.
Das Ergebnis ist, dass wir zwar keine Notwendigkeit für Flucht oder Kampf sehen, uns aber bedroht fühlen. Dies führt zu Ärger oder Zorn. Wir ärgern uns über Situationen, die unser Leben nicht bedrohen. Das bewirkt, dass wegen kleinerer Ereignisse, die Teil des täglichen Lebens sind, im Körper jene Hormone ausgeschüttet werden, die nötig sind, um wegzulaufen oder sich zu verteidigen. Wenn diese Hormone, zu denen auch Kortisol zählt, im Körper zirkulieren, obwohl wir sie nicht brauchen, schadet uns das letztlich.
So ist beispielsweise bekannt, dass Kortison Nebenwirkungen auf den Körper hat, sodass Ärzte seine Anwendung nur mit Vorsicht empfehlen. Allerdings zirkuliert das körpereigene Kortisol in uns, wenn wir ärgerlich oder gestresst sind, was stressbedingte Krankheiten verursacht. Ist man beständig in diesem Zustand von Angst, Ärger oder Stress, stören diese Hormone andere Körpergewebe. Und das verursacht stressbedingte Krankheiten, wie Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen sowie Herz-, Haut- und Atembeschwerden.
Vergebung ist die Lösung
Die Lösung, um den Körper vor den Hormonen zu schützen, die durch Hass, Ärger und Rache ausgeschüttet werden, ist einfach: Vergebung. Nur durch Vergebung können wir uns beruhigen und die Reaktionen von Hass und Gewalt vermeiden.
Eine Technik, um Vergebung zu entwickeln, ist Meditation. Die Probleme des Lebens werden nicht enden. Allerdings können wir unsere Aufmerksamkeit durch Meditation auf den inneren Frieden richten und uns dadurch über die Schwierigkeiten des Lebens erheben.
Meditation kann zu Vergebung führen
Durch Meditation stehen wir mit einem Ort der Ruhe in uns in Verbindung, der uns die Stärke gibt, anderen zu vergeben, den Ärger zu überwinden und ruhig zu bleiben. Wir können uns für den Frieden und die Ruhe entscheiden, was uns dabei hilft, unsere körperliche und mentale Gesundheit zu verbessern und unser Leben glücklicher zu machen.
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